Sonntag, 25. Oktober 2015

Von Hetzern, Brandstiftern und der schweigenden Mehrheit - Höcke, Pegida und der Anschlag auf Henriette Reker



Es ist ein gemütlicher Sonntagabend, man zappt so ein wenig durch das Programm und bleibt als politisch interessierter Mensch einmal mehr auf der ARD hängen. Ich sehe eine Talkrunde, ich sehe Leute in Anzügen. Plötzlich verfällt einer von Ihnen in eine merkwürdige Melancholie, säuselt davon, dass er an dem historischen Ort in Berlin seine Nationalflagge herausholen wolle. Zuerst denke ich an etwas Zweideutiges, aber Gott sei Dank kramt die Gestalt dann doch „nur“ eine Deutschlandfahne heraus, um sie über seine Sitzlehne zu hängen. Peinliche Stille breitet sich im Studio aus. 

Und ich denke mir nur: „Watt?! Hat „Die Anstalt“ eine neue Witzfigur? Oder doch eine Wiederholung der Heute Show?“ Gut, ein Einzelfall ist er nicht, sicherlich haben viele von der AFD eine Fahne…

Donnerstag, 3. September 2015

Die Welt zu Gast bei Freunden? Flüchtlingskrise und die "German Angst"


In eigener Sache - Oder doch mehr?

Es fühlt sich gut an diese Zeilen hier zu verfassen. Es hat etwas Meditatives. Sich die Zeit zu nehmen, um etwas zu tun, was einem persönlich etwas gibt. Etwas, das keinen unmittelbaren Zweck erfüllt, für meinen Lebenslauf, meine Vita oder meinen künftigen Werdegang. Es ist, als würde sich ein Kreis um mich schließen, in dem ich für einen Moment allem entkommen kann. Und realisiere, dass ich meiner Umwelt etwas mitzuteilen habe, was ein gewisses Gefühl von Reichtum in mir auslöst.

Monatelang herrschte Stille auf meinem Blog, da ich zuletzt eine der stressintensivsten Phasen meines bisherigen Lebens hinter mich gebracht habe. Irgendwie war ich in eben das Hamsterrad geraten, das ich in meinen vorherigen Einträgen stets angeprangert und verteufelt hatte. Die harte Schule des wahren Lebens zeigte mir wie es ist, wenn man sich für einen Billiglohn mit mehreren Jobs abstrampeln muss, um sich über Wasser zu halten. Selbiges stieg in dem Maße immer mehr Richtung Hals, in dem ich versuchte meine Masterarbeit meinen eigenen Ansprüchen genügend zu beenden. Das macht man dann so lange, bis alles um einen rum zu wanken beginnt, man sich immer weiter ins Zeug legt, nur um irgendwann zu bemerken, dass man an so vielen Fronten gleichzeitig kämpft. Und im Endeffekt keiner davon richtig gerecht werden kann. Existenzängste nehmen die Luft zum Atmen und führen zu gnadenloser Raubbau, so viel habe ich nun gelernt. Plötzlich verharrt man, nur um sich zu fragen: "Wie zur Hölle bin ich hier nur reingeraten?"

Montag, 22. September 2014

Unsere Unfähigkeit zum Mitgefühl- Von Geflüchteten und Ignoranz



Ein großartiges Lied, oder? So schön melodisch, man beginnt unmittelbar mitzusummen. Doch Moment! Habt ihr es jemals ganz bewusst gehört, 2-3 mal hintereinander? Ich finde die Message dieses Songs aus dem Jahr 2005 ist heute, zehn Jahre später, geradezu peinlich aktuell. Das Video dazu wirkt auf mich wie ein Schlag ins Gesicht, wohl nicht zuletzt, weil man sich unweigerlich selbst wiedererkennt. So wie König Boris in Shorts aus seinem warmen Bett steigt, verschlafen die Zeitung holt und am reich gedeckten Frühstückstisch ohne mit der Wimper zu zucken über die Übel dieser Welt liest. Unangenehme Randerscheinungen wie der vorbeifahrende Panzer (sinnbildlich für die geflüchteten und angefeindeten Menschen in den Auffanglagern der Nachbarschaft) werden durch schließen des Fensters einfach ausgesperrt. Wie lange kann das gut gehen?

Mittwoch, 9. Juli 2014

Lebensmittelverschwendung und Agrarindustrie - Friss oder stirb!

"Okay, beim ersten Teller noch nicht so zuschlagen. Sonst ist man viel zu schnell satt. Man kann ja mehrmals gehen. Dann kann ich von jedem etwas probieren. Ab geht’s. Ahhh, dieser Duft, zehn Sorten Fleisch in verschiedenen Variationen. Nehm ich die Soße? Oder lieber die! 
Am besten beide, nur um sicherzugehen dass ich nicht die schlechtere nehme. Fuck, doch wieder so überladen. Egal, zurück zum Tisch. Mahlende Kiefer. Schlingende Münder. Satt?
Ja, jetzt schon irgendwie. Aber ich bekomm' noch was rein, ich muss ja meine 6,90 Euro voll ausschöpfen. Also nochmal, jetzt nehme ich aber wirklich nur das, was mir am besten schmeckt. Und vielleicht noch etwas Suppe… Ein Eis geht immer noch rein. Und vielleicht noch eine von diesen gebackenen Bananen...
Der Wahn ist vorbei, das Bewusstsein kommt zurück. Ich fühle mich elend, so voll. So viel frittiertes Fleisch. So viel Fett.
Ich schleppe mich raus, meine Körpermitte fleht darum, mich endlich hinzulegen und dem Verdauungskoma hinzugeben. Gehe zur U-Bahn. Fange an zu hinterfragen."

Na, ertappt?

Ein Gefühl: Ekel. Vor einem selbst. Vor der eigenen Völlerei und Maßlosigkeit. Wo sind die Relationen geblieben, in einer Gesellschaft, in der man sich für ein paar Euro fast bis zur Bewusstlosigkeit frisst? Nur um sich dann über die nahezu monatlich wiederkehrenden Lebensmittelskandalen verwundert und voller Abscheu die Augen zu reiben?
Es ist wohl davon auszugehen, dass sich nahezu jeder in unserer Gesellschaft in meinem Erfahrungsbericht wiederfinden kann. Aber muss das so sein?

Dienstag, 27. Mai 2014

Überflussgesellschaft - Im Würgegriff des Glücks

Liebe Leserinnen und Leser,
anfangs muss ich mich an dieser Stelle in aller Form entschuldigen, dass der Textfluss hier auf meinem kleinen Ziehkind in letzter Zeit etwas zum Erliegen gekommen ist. Anlehnend an das Thema Praktika stecke ich nun momentan selbst in einem solchen, und wie Ihr euch sicher denken könnt, ist es als verwöhnter Student gar nicht mal so leicht, sich nach einem richtigen, langen Arbeitstag noch der Muße des Schreibens hinzugeben. Dennoch gebe ich mir natürlich Mühe den kleinen Kreis der Leser, den ich bisher (hoffentlich) gewinnen konnte, weiterhin mit etwas Kost zu versorgen. Bonn ist nun bis Ende Juli meine Basis, wo ich - passend zu meinem Eintrag über Konsumkritik - ein Praktikum beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mache. Was bietet sich also mehr an, als den eingeschlagenen Pfad der Hinterfragung unserer alltäglichen Lebensgewohnheiten noch weiter zu vertiefen?

Die kunterbunte Welt des Erwachsenenspielzeugs

Wie sehr sich diese wandeln bemerkte ich zuletzt wieder als ich vor einigen Tagen durch die Stadt schlenderte und mich ganz unvermittelt etwas in Klavierlack- Optik anfunkelte - etwas, was vor gerade mal 10 Jahren noch ein regelrechtes Luxusgut war. Zwischen altem Plunder wie ausgedienten Stühlen, einem ranzigen Sofa und einem ausgeschlachteten Desktop-PC stand da ein stattlicher Flatscreen- Fernseher von sicher um die 40 Zoll, mitten im Frühlingsregen. Es war für mich das erste Mal, dass ich eine Flimmerkiste von solchem Kaliber auf dem Sperrmüll stehen sah und irgendwie hat mich das irritiert. Klar, der Lauf der Dinge, alles was mal neu war wird alt, alles was heiß war wird kalt und so weiter und so fort. Dennoch liegt dieser banalen Alltagsbegegnung ein Sachverhalt zugrunde, der good old Mother Earth an den Rand des Abgrunds treibt: wir wissen einfach immer mehr Sachen immer weniger zu schätzen. Bevor wir darüber nachdenken, wie wir etwas Kaputtes flicken können, haben wir schon unsere Smartphones in der Hand um bei Amazon Ersatz zu ordern.